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Auf dem 1. Arbeitsmarkt

Schuljahr 2016/17

Den Übergang von der Schule in den Beruf für Jugendliche mit Beeinträchtigung erfolgreich gestalten und schaffen

Einblicke in die Vermittlungsarbeit von kognitiv beeinträchtigten Schülerinnen und Schülern (sogenannte geistige Behinderung) des Zentrums für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen (ZsL), Mainz e.V.

Zum August 2016 starten fünf von sechs Jugendlichen ihre Qualifizierung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Sie wurden während ihrer Schulzeit (Schule mit dem Bildungsgang Ganzheitliche Entwicklung) über 24 Monate vom ZsL Mainz e.V. unterstützt. Fünf Jugendliche erhielten bereits die Zusage für eine sozialversicherungspflichtige Anstellung mit dem Budget für Arbeit nach der Qualifizierungsphase. Sie werden in einer Küche, einem Kindergarten, im Einzelhandel oder als Hausmeisterhelfer tätig sein. Eine Schülerin entschied sich für die Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM). Ein Integrationsbetrieb war bereits überzeugt und offen für eine spätere Anstellung mit dem Budget für Arbeit. Die Schülerin entschied sich für die WfbM und möchte erst später mit deren Hilfe den Einstieg in den allgemeinen Arbeitsmarkt versuchen.

Christiane Dauberschmidt, Bereichsleitung Übergang Schule-Beruf des ZsL Mainz e.V., führte das Interview mit Herrn K., ehemaliger Schüler der Elisabethenschule Sprendlingen und Markus Brzezina, Inhaber des Rewe Marktes Ingelheim – Neue Mitte.

D: Seit wann arbeiten Sie bei Rewe Markt Ingelheim – Neue Mitte?
K: Seit 01.08.2016 mache ich ein Langzeitpraktikum hier im Markt. Ich arbeite 39,0 Stunden und habe an einem Tag in der Woche Unterricht in der Werkstatt für behinderte Menschen von ZOAR in Heidesheim. Während der Schulzeit habe ich bereits drei Blockpraktika im Rewe Markt in Ingelheim gemacht und war zusätzlich während der Schule an drei Tagen in der Woche hier tätig. Eigentlich arbeite ich also schon seit März 2015 bei Rewe in Ingelheim.  

D: Wie bezeichnen Sie Ihre Arbeit und was ist Ihr berufliches Ziel?
K: Ich bin Helfer im Einzelhandel. Nach ungefähr einem Jahr möchte ich eine Festanstellung im Einzelhandel bekommen. Eine reguläre Ausbildung ist zu schwer, eine Prüfung für diesen Bereich kann ich aber auch ohne eine reguläre Ausbildung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) machen. Ich werde das schaffen.

D: Was sind Ihre Stärken und Schwächen?
K: Ich bin hilfsbereit, zuverlässig und pünktlich, flexibel und freundlich. Mathe ist meine Schwäche und ich könnte zum Beispiel keine Bestellungen machen. Die Arbeit an der Kasse, das schaffe ich, glaube ich, auch nicht wegen Mathe, dem Stress und der Verantwortung. Ich werde es während des Langzeitpraktikum aber ausprobieren. So schnell wie die Anderen werde ich aber wahrscheinlich nie an der Kasse arbeiten können.

D: Wie bezeichnen Sie Ihre Beeinträchtigung?
K: Ich habe eine Lernschwäche.
D: Andere Menschen sagen dazu geistige Behinderung. Die meisten Menschen mit sogenannter geistiger Behinderung arbeiten in einer Sondereinrichtung, in der Werkstatt für behinderte Menschen.

D: Wie haben Sie den Einstieg bei Rewe geschafft?
K: Die Schule hat mir geholfen, zum Beispiel durch die Praktika und dass ich an drei Tagen in der Woche hier gearbeitet habe und ein ernstes Gespräch mit meinem Lehrer. Die Hilfe von Ihnen, das hat mir auch geholfen.

D: Was sind Ihre Aufgaben?
K: Ich arbeite in der Getränkeabteilung, dazu gehört:  Warenannahme, Waren verräumen, Regalpflege, Kühlregale, Leergut, Müll leeren, Einkaufswagen holen und den Kunden weiterhelfen. Außerdem helfe ich immer da, wo Not am Mann ist.

D: Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit?
K: Hier ist immer Action, die Arbeit geht nie aus. Auch die Zusammenarbeit mit den Kollegen und das Verhältnis zum Chef sind gut. Es ist immer eine lustige Stimmung.

D: Was ist Ihr Traumjob?
K: Eine Arbeit im Einzelhandel.

D: Und was sagt der Chef?
Herr Brzezina, was hat dazu beigetragen, dass Sie bereits eine feste Anstellung in Aussicht gestellt haben?
B: Einfach er selbst. Seine Person, so wie er ist und wie er seine Aufgaben macht. Jeder hat Fehler und jeder sollte eine Chance bekommen. Seitdem ich ihn kenne, geht er offen mit seinen Schwächen um. Wir haben, auch mit Ihrer Hilfe, die richtigen Aufgaben für ihn gefunden. Den regulären Arbeitsablauf haben wir an seine Fähigkeiten angepasst. Und, er hat immer jemanden, den er um Rat fragen kann. So kann er all seine Stärken nutzen. Er kennt den Markt und weiß, was zu tun ist. Ich denke, in einem guten Jahr weiß er alles, was er für die Anstellung braucht.





Blickpunkt: Der Bereich Übergang Schule-Beruf des ZsL Mainz e.V.
Das Zentrum für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen (ZsL), Mainz e.V. setzt sich seit 2002 auch für die berufliche Integration von Schülerinnen und Schülern mit Beeinträchtigung ein. Ziel ist es Berufe kennenzulernen, sich in passenden Tätigkeiten zu erproben und den Übergang in eine sozialversicherungspflichtige Anstellung vorzubereiten oder einen Ausbildungsplatz, auch über Maßnahmen der Agentur für Arbeit, zu erhalten. Seit 2009 ist das ZsL Mainz e.V. Träger des Integrationsfachdienstes mit dem Bereich Übergang Schule-Beruf (ÜSB). Seit August 2014 bildet es hierfür eine Bietergemeinschaft mit gpegGmbH.
Gefördert werden die Leistungen im ÜSB des ZsL Mainz e.V. durch das Integrationsamt, die Agentur für Arbeit und von Beginn an durch die Stadt Mainz und den Landkreis Mainz-Bingen.

Blickpunkt: Das Budget für Arbeit in Rheinland-Pfalz
Das Budget für Arbeit ist eine Leistung, die allen Menschen zugänglich ist, die im Arbeitsbereich der Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) tätig sind. Der Arbeitsbereich folgt dem Berufsbildungsbereich, das ist in der Regel nach 27 Monaten. Diese Phase kann genutzt werden, um auf dem ersten Arbeitsmarkt eine Anstellung vorzubereiten, z.B. durch Praktika und Unterricht. Das Geld, das die Kommune sonst an die WfbM bezahlt, erhält bei Anstellung mit dem Budget für Arbeit der Arbeitgeber als sogenannten Minderleistungsausgleich. Das sind bis zu 70% des Bruttogehaltes. Das Budget für Arbeit wird in der Regel so lange bezahlt wie der Arbeitsvertrag gilt.

Ansprechpartnerin
bei weiteren Fragen: Christiane Dauberschmidt, ZsL Mainz e.V.: 06131-14674-420

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